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Tierzüchterische Analyse


Während die Tendenzen der Entwicklung von Wildtierbeständen auch in der Öffentlichkeit debattiert werden, beschränkt sich die Diskussion um die züchterische Entwicklung der landwirtschaftlich genutzten Tierarten und Rassen im wesentlichen auf Expertenzirkel.

 
Die Landwirtschaft hat eine Vielzahl von Kulturrassen hervorgebracht. Heute wird sie aber fast nur noch als Bedrohung der Biodiversität wahrgenommen. Denn die meisten dieser alten Rassen sind inzwischen infolge mangelnder Produktivität vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Die FAO ermittelt den gegenwärtigen Stand von Haustierarten und rassen (WWL-DAD 2000). Die züchterische und eigentumsrechtliche Entwicklung der (an Zahl) großen Rassen wird von der FAO aber nicht problematisiert. Somit steht neben der Biodiversität durch die Vielzahl von Rassen eine Potenzialanalyse der Vielfalt innerhalb der Rassen aus.

Die EU-Tier-Bioverordnung 1804/99 schreibt die Freilandhaltung vor. Dafür bedarf der Ök
ologische Landbau (ÖL) vitaler Rassen, die flexible auf standortbedingte jahreszeitliche Veränderungen des Klimas und des Futterangebots reagieren können. Da der ÖL bisher nicht über spezielle Öko-Rassen verfügt, ist er abhängig von den Zuchtzielen und Züchtungstendenzen in der konventionellen Tierzucht. Hochleistungstiere sind extrem an konstante Stallhaltungsbedingungen angepasst und haben deshalb hohe Ansprüche an den Input (Menge und Energiegehalt von Futter, permanente Verfügbarkeit von Wasser sowie an die Konstanz gemäßigter klimatischer Bedingungen). Folge dieser extremen Angepasstheit der Hochleistungstiere ist der Verlust ihrer Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedingungen, wie sie beispielsweise mit der Freilandhaltung verbunden ist.

 
Markergestützte Methoden zur weiteren züchterischen Selektion finden bereits breite Anwendung. Transgene oder geklonte Tiere gibt es bisher nicht in der Landwirtschaft. Angestrebt wird beispielsweise Krankheits- und insbesondere Seuchenresistenz. Aufgrund erheblicher Investitionen in diese Biotechniken muss der damit verbundene gravierende Beitrag zur weiteren Homogenisierung in Szenarien berücksichtigt werden.
Der Verlust der Biodiversität ist unterschiedlich weit fortgeschritten: Einzig die Rinderzucht verfügt noch über Rassen mit mehreren Millionen Tieren. Konzepte zur Entwicklung der Biodiversität mü
ssen deshalb jeweils in Abhängigkeit von der jeweiligen Tierart entwickelt werden. Dabei ist das unterschiedliche Ausmaß der durch Orientierung auf Leistung und Spezialisierung bedingten Einengung der genetischen Breite ebenso zu berücksichtigen wie die tierartabhängig völlig unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse und strukturellen Gegebenheiten. Eine besondere Bedeutung der Analyse kommt deshalb den realen Entscheidungsspielräumen sowie den kontextabhängigen Interessen der verschiedenen Akteure zu.
Größere genetische Diversität durch Orientierung auf Tiergesundheit und Langlebigkeit an unterschiedlichen Standorten, bietet einen Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft. Die Zuchtwahl muss darüber hinaus auch Kriterien wie Umgänglichkeit gegenüber Menschen und Verträglichkeit gegenüber Tieren berücksichtigen.